Strangolapreti alla Trentina

Trento – deutsch Trient – ist die Hauptstadt der Autonomen Provinz gleichen Namens und der Autonomen Region Trentino-Südtirol, im nördlichsten Italien. Wir leben in München und damit nicht weit entfernt. Die Stadt liegt eingebettet im Etschtal und von Norden kommend erreicht man sie zumeist über den Brennerpass, der seit tausenden von Jahren eine der bedeutendsten Verbindungen über die Alpen darstellt. Trento ist nicht sehr groß und hat heute knapp 120.000 Einwohner, aber es war nahezu immer ein sehr bedeutender Bischofssitz, der im 16. Jahrhundert das Konzil von Trient (1545–1563) beherbergte, das die Gegenreformation einleitete und die katholische Kirche tiefgreifend veränderte.

Nur wenige Kilometer südlich liegt Rovereto, noch kleiner und ruhiger. Die Stadt war im Ersten Weltkrieg Frontlinie zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Noch heute erinnert die monumentale Friedensglocke „Campana dei Caduti“ auf dem Colle di Miravalle an die Opfer, sie wurde teils aus dem Metall von Kanonen der beteiligten Nationen gegossen.

Diese kleinen Städte sollte man schon wegen ihrer Museen besuchen, die sind großartig. Wir nennen hier das Diözesanmuseum sowie das moderne MUSE in Trento sowie das schon architektonisch sensationelle Mart (wichtigstes Museum für zeitgenössische Kunst Italiens!) sowie das Casa d’Arte Futurista Depero in Rovereto. Alles davon sollte man sehen.

Aber hier geht es ums Kochen und wir bringen ein Rezept für „Strangolapreti alla Trentina“ von unserer Reise mit. Wörtlich übersetzt heißen Strangolapreti: „Priesterwürger“. Die Geschichten zu dieser Namensgebung sind allesamt Spekulation, also wiederholen wir sie nicht.

Strangolapreti sind eine Art Gnocchi, die vor allem aus Spinat bestehen (sollten). Im Trentino wird dafür nur ein Käse verwendet, nämlich Trentingrana – ein köstlicher Käse der Sorte Grana Padano. Und den haben wir ebenfalls mitgebracht.

Im Trentino wird alpenländisch gekocht, genau wie im Norden der Gebirgskette. „Knödel“ gibt es bei uns in Bayern und in Österreich und „Canederli“ gibt es in Norditalien. Aber Strangolapreti sind etwas anders und sie sollten absolut nicht die Konsistenz von Knödeln haben. Es gibt viele Rezepte, in denen sie mit doppelt soviel Brot wie Spinat zubereitet werden. Davon raten wir entschieden ab.

Die besten Strangolapreti bestehen soweit wie irgend möglich aus Spinat. Das macht die Sache zwar nicht einfacher, aber auch nicht übermäßig kompliziert.

Der Spinat wird gewaschen und dann in kochendem Salzwasser blanchiert, also für nur 1 Minute gekocht, dann sofort durch ein Sieb gegossen und mit kaltem Wasser abgekühlt, um den Garprozess augenblicklich zu beenden. Danach muss das Wasser gründlich mit den Händen aus dem Spinat gedrückt werden, das ist sehr wichtig, denn sonst funktioniert alles weitere nicht.

Weißbrot wird in kleine Würfel geschnitten und mit ein wenig Milch bedeckt, damit es ganz weich wird. Man kann altes Brot ohne Rinde verwenden, wir nehmen zumeist Scheiben von Toast, die wir ebenfalls entrinden.

In einer großen Schüssel werden weitere Milch, der blanchierte Spinat und wenig Olivenöl mit Salz, schwarzem Pfeffer aus der Mühle und frisch geriebener Muskatnuss vermengt.

Das wird alles zerkleinert, was am besten mit einem Stabmixer funktioniert. An dieser Stelle kann man die Mischung gut abschmecken und nach Wunsch weiter würzen. Dann kommen Ei und das eingeweichte Brot hinzu und werden gründlich in die Masse gerührt.

Die Mischung wird weiter angedickt mit Semmelbröseln und Trentingrana (bzw. Grana Padano), der eine Menge Umami beisteuert.

Die Masse ist nun ziemlich dick, aber keineswegs fest und so muss das auch sein, denn sonst würde man wie gesagt Knödel kochen.

Als letzte Zutat wird etwas Mehl eingerührt.

Jetzt muss man wie folgt vorgehen: Ein sauberes, möglichst dickes Küchentuch wird ausgebreitet und mit Mehl bestäubt. Dann werden mit einem großen Esslöffel dicke Nocken der Masse geformt und mit Abstand zueinander darauf gelegt.

So lässt man das mindestens 10 Minuten liegen, in dieser Zeit trocknet die Unterseite der Nocken ein wenig, während das Mehl ein Festkleben am dem Tuch verhindert. Dann bestäubt man sie mit etwas Mehl auch auf der Oberseite und wendet sie mit Hilfe des Esslöffels einmal um 180 Grad.

Nach weiteren 10 Minuten können die Strangolapreti gegart werden. Dazu kocht man reichlich Wasser in einem großen Topf auf, salzt es wie man es für Pasta tun würde und gibt sie vorsichtig einzeln mit dem Löffel hinein. Zu viele darf man nicht gleichzeitig verarbeiten, denn sie sollen nicht aneinanderkleben. Die Temperatur muss so eingestellt werden, dass das Wasser ab jetzt nicht mehr kocht, die Strangolapreti müssen wie Knödel knapp unter dem Siedepunkt ziehen. Während sie garen, steigen sie an die Oberfläche. Nach 10 Minuten, in denen man sie einmal wenden sollte, sind sie fertig und werden aus dem Wasser genommen. Wir legen sie erneut auf ein sauberes Tuch, das überschüssiges Wasser aufnimmt.

Diese Arbeitsschritte lassen genug Zeit, Butter in einer Pfanne bei mittlerer Hitze schmelzen zu lassen und mit Salbeiblättern nach Geschmack zu aromatisieren.

Die Strangolapreti werden mit dieser Butter überzogen, wir servieren auch die zart gerösteten Salbeiblätter dazu. Weiterer Trentingrana wird ganz nach persönlichem Geschmack darüber gerieben.

Etwa übrig gebliebene Strangolapreti kann man noch tagelang im Kühlschrank aufbewahren, in kräftige Scheiben schneiden, in Butter kross ausbraten und zum Beispiel mit Salat genießen. Es soll Leute geben, denen das sogar noch besser schmeckt.

Genießt es.

And may the taste be with you.

Zutaten (für 2 hungrige Personen = 10 Stück):

350 g frischer Blattspinat

40 g Weißbrot (Toast ohne Rinde oder altes Brot)

200 ml Milch

1 Ei Größe M oder größer

2 EL Olivenöl

6 EL Semmelbrösel

80 g Trentingrana (Grana Padano) fein gerieben

150 g Mehl

Salz, schwarzer Pfeffer und Muskat nach Geschmack


Zum Anrichten:

Butter

Salbeiblätter

Geriebener Trentingrana (Grana Padano)

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